Ralf und Silke Bartsch hatten schon immer ein ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt- und Klimathemen. Sie sind im frühen Rentenalter und wohnen in einem traditionellen Fachwerkhaus mit Bullerbü-Garten, in dem sie auch ihre drei Kinder großgezogen haben. Vor einigen Jahren haben sie zusätzlich das angrenzende Elternhaus aus den 1960ern übernommen. Ziemlich schnell entstand der Plan, ihre beiden nebeneinander gelegenen Wohnhäuser umweltbewusst und zukunftssicher zu sanieren – „Bis 2025 soll unser Anwesen klimaneutral sein!“, so der vor Jahren gefasste Plan.
Ihre Hauptmotivation für dieses Vorhaben war es, ihren Kindern ein nachhaltiges Wohnkonzept zu vererben. In beiden Gebäuden waren die Heizsysteme – einmal Öl und einmal Gas – mehr als 30 Jahre alt. Statt darauf zu warten, dass die Heizungen womöglich mitten im Winter den Geist aufgeben, haben die beiden beschlossen, die energetische Sanierung beider Häuser ganzheitlich anzupacken. „Lasst euch die Entscheidung nicht aus der Hand nehmen und plant rechtzeitig und mit Bedacht!“, raten sie.
Zwei Häuser – zwei Wege zum nachhaltigen Heizen
Besonders spannend am Projekt „Klimaneutralität 2025“ ist, dass die Umsetzung bei beiden Häusern unterschiedlich verlief. Das in 2021 zeitweise unbewohnte Gebäude konnte in einem Rutsch saniert werden – Heizung, Fenster Elektroinstallation als Voraussetzung für die Photovoltaikanlage und für das Wohnzimmer eine Wandheizung wurden innerhalb von sechs Monaten umgesetzt. Nur das Dach musste nicht mehr erneuert werden, denn das war bereits vor einigen Jahren gedämmt worden.
Im bewohnten Fachwerkhaus hingegen erfolgte die Sanierung schrittweise. „Man muss nicht ausziehen, um erfolgreich zu sanieren“, sagt Silke Bartsch. Die Familie hat über Jahrzehnte immer wieder Dämmmaßnahmen an dafür geeigneten Stellen innen und außen vorgenommen – mit natürlichen Materialien wie Weichfaserplatten und Zellulosedämmstoffen. Auch Schafswolle von eigenen Schafen kam zum Einsatz „Damit haben wir uns hier einen echten Schatz erarbeitet!“, erzählt Ralf Bartsch stolz. Der Energieberater bestätigte später, dass lediglich zwei Heizkörper ausgetauscht werden mussten, um das ca.100 Jahre alte Fachwerkhaus fit für die Wärmepumpe zu machen. Dabei war der Einsatz einer Wärmepumpe mit einer Nennleistung von nur 7kW völlig ausreichend.
Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung – geht das?
Die Effizienz von Wärmepumpen ist besonders hoch, wenn die Vorlauftemperatur der Heizung gering ist. Um dann eine angenehme Raumtemperatur zu erzielen ist eine möglichst große Heizkörperfläche notwendig. Viele Hausbesitzer*innen schrecken vor Wärmepumpen zurück, weil sie annehmen, eine Fußbodenheizung sei zwingend nötig. Bei Familie Bartsch war eine Fußbodenheizung nicht notwendig: Ihre neuen und alten Heizkörper – ergänzt durch eine einzige Wandheizung in einem Raum – werden in beiden Häusern mit einer Vorlauftemperatur von nur 33 bis max. 38 Grad gespeist. Die Effizienz kann sich sehen lassen: Die Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen eine Jahresarbeitszahl von 3,1 – sie erzeugt also mehr als dreimal so viel Wärmeenergie, wie an elektrischer Energie zugeführt wird. Zum Vergleich: Eine Gasheizung liegt bei etwa 0,95, und erzeugt damit weniger Wärme, als ihr an Energie zugeführt wird.
„Es gibt den Spruch: Modernisierung heißt Elektrifizierung. Das ist für manche schwer zu glauben – aber es ist so!“, ergänzt Ralf Bartsch mit einem Schmunzeln.
Energieunabhängig durch Sonne und Speicher
Ein weiteres Ziel war es, sich unabhängiger von Energiepreisen zu machen. Auf dem Dach produziert eine 17kWp große Photovoltaikanlage Strom, der in einem 25 kWh-Batteriespeicher und zwei 500 Liter-Warmwasserspeichern gespeichert wird. Wenn der Batteriespeicher geladen ist, wird überschüssiger Strom genutzt, um über Heizstäbe das Wasser in den zwei 500-Liter-Tanks zu erwärmen – anstatt ihn für eine geringe Einspeisevergütung ins Netz zu schicken. Dies verringert die Taktung der Wärmepumpe und verlängert damit deren Lebensdauer. An sehr kalten Tagen kommt zusätzlich ein wasserführender Kaminofen zum Einsatz, dessen Wärme ebenfalls in den Speicher eingespeist wird. Manche Hausbesitzer machen sich Sorgen, keinen Platz für große Warmwasserspeicher zu haben, doch: „Wer früher eine Ölheizung hatte, hat auf jeden Fall genug Platz für einen großen Pufferspeicher“, sagt Ralf Bartsch augenzwinkernd. Und auch in den meisten anderen Fällen ist der Einbau problemlos möglich.
Altes Haus, neue Technik – und ein gutes Wohnklima
Die Kombination aus moderner Wärmepumpe, Solarstrom und natürlicher Dämmung sorgt heute für ein behagliches Wohnklima. „Die Wärme ist ganz gleichmäßig – viel angenehmer als früher“, beschreibt Silke Bartsch. Dreck und Ölreste beim Ausbau der alten Heizung und des vorhandenen Stahltanks? „War gar nicht schlimm. Nur laut – aber sauber!“
Bei all den technischen Details war den beiden wichtig, sich fachlich gut beraten zu lassen. „Wir haben mit einem Energieberater und mit örtlichen Handwerksbetrieben im ganz normalen Rahmen gearbeitet. Der Energieberater war schon alleine wegen der Förderanträge Gold wert.“
Klimaneutralität in Zahlen
Heute genießen Ralf und Silke Bartsch nicht nur ein angenehmes Wohnklima, sondern auch das gute Gefühl, beim Thema Energie endlich weitgehend unabhängig zu sein. „Unsere monatlichen Energiekosten liegen jetzt bei rund 144 Euro – und davon bekommen wir etwa die Hälfte durch den eingespeisten Strom wieder zurück“, erzählt Ralf. Am Ende bleiben gerade einmal rund 900 Euro im Jahr – für Heizung, Haushaltsstrom und Mobilität zusammen.
Früher sah das ganz anders aus: Etwa 4.000 Euro zahlte die Familie jährlich, Tendenz steigend. Hätten sie nichts verändert, wären es heute schon rund 5.000 Euro – und laut Prognosen bis 2030 werden sich die Preise bis dahin verdoppelt haben. Ralf Bartsch schätzt, dass sich durch die prognostizierten Energiepreiserhöhungen ihre Maßnahmen in schon 10 bis max. 15 Jahren vollständig amortisiert haben.
Silke Bartsch sagt: „Viele in unserem Alter sagen, das lohne sich nicht mehr. Aber wenn man Kinder oder Enkel hat, sollte man anders denken. Wir wollen doch nicht eine Welt hinterlassen, die zugrunde geht.“ Und selbst wenn man ganz egoistisch denken möchte: Die geschätzte Amortisationszeit liegt in einem Zeitrahmen, den die beiden selber voraussichtlich locker noch erleben werden!
Heute produziert die große Photovoltaikanlage auf dem Dach mehr Strom, als die beiden benötigen. Die Wärmepumpe, der Batteriespeicher und die ausgeklügelte Warmwassernutzung sorgen dafür, dass kaum noch Energie von außen nötig ist. Nur an sehr dunklen Wintertagen müssen die Bartschs Strom zukaufen – an sonnigen Tagen dagegen speisen sie ins Netz ein. „Wir sind nicht komplett autark, aber wir erzeugen über das Jahr betrachtet mehr Energie, als wir übers Jahr verbrauchen“, sagt Ralf zufrieden und der zugekaufte Strom ist selbstverständlich zertifizierter Grüner Strom.
Tipps von Familie Bartsch
• Reihenfolge beachten: Erst die Gebäudehülle sanieren, dann Heizung erneuern, dann Photovoltaik aufs Dach.
• Gebäudehülle: erst Heizkörpernischen beseitigen und Fenster und Türen prüfen. Später Außendämmung erwägen.
• Heizungsaustausch rechtzeitig planen, solange die alte Anlage noch läuft.
• Unabhängige Energieberatung in Anspruch nehmen – besonders zur Wärmebedarfsberechnung.
• Grundkenntnisse aneignen: „Manche Installateure sind noch nicht auf dem neuesten Stand – da hilft es, selbst informiert zu sein.“
Fazit
Familie Bartsch zeigt eindrucksvoll, dass klimaneutrales Wohnen kein Zukunftstraum ist, sondern heute schon gelingen kann – auch im Bestand, auch ohne Fußbodenheizung und ohne riesiges Budget. Ihr Projekt verbindet Tradition mit moderner Technik und beweist, dass sich ökologisches Handeln und wirtschaftliches Denken nicht ausschließen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein behagliches Zuhause mit stabil niedrigen Energiekosten, ein deutlich reduzierter CO₂-Fußabdruck und das gute Gefühl, aktiv zum Klimaschutz beizutragen.